Da in den letzten Tagen so viel passiert ist, werde ich einfach alles chronologisch erzählen. Am Mittwoch sind wir von Österreich aus nach Triest gefahren und hatten uns um sieben Uhr abends mit dem Vermieter vor dem Haus verabredet. Da wir aus Slowenien kamen, kamen wir quasi vom Berg aus in der Stadt an und konnten diese erstmal von oben betrachten. Dann ging es direkt hinein in das triestinische Verkehrschaos. Nachdem wir endlich in der Straße angekommen waren, nachdem wir uns ein paar Mal verfahren und Christian schweißnass geschwitzt war, stellten wir das Auto erstmal auf einen Supermarktparkplatz und warteten auf Vincenzo. Der kam -stilecht- auf einem Motorroller angesaust, gab mir die die Schlüssel und zeigte mit die Wohnung. Erstmal war nur ein Mitbewohner, Giacomo, da, die anderen kamen später. Den Abend verbrachten wir mit etwas auspacken und in der Küche mit den Leuten quatschen und etwas trinken. Man kann diese WG am besten mit einem Zitat von Jacopo, einem meiner Mitbewohner beschreiben: "Nicht nur Triest ist ein Hafen, auch diese Wohnung." So haben in der kurzen zeit hier schon Giacomos Cousine, Stefanos (der dritte Mitbewohner) Freundin, eine türkische Freundin von Jacopo, eine französische Freundin von Giacomo und natürlich Christian und ich hier gewohnt. Das macht aber nichts, denn die Wohnung ist sehr groß, und wenn man nach Hause kommt, sitzt immer jemand in der Küche, mit dem man reden kann, entweder auf Italienisch, Französisch oder Englisch. Die Wohnung liegt ideal: Die Piazza dell' Unita, der zentrale Platz der Stadt, liegt etwa 15 Minuten zu Fuß entfernt, meine Fakultät ist tatsächlich um die Ecke, und auch sonst sind hier unzählige Bars, Cafés und Geschäfte, mal ganz abgesehen vom Meer, das auch direkt um die Ecke ist.
Am Donnerstagmorgen haben wir uns dann zu Behördengängen aufgemacht. Erstmal musste ich zu so einer Art Einwohnermeldeamt, wo ich meinen "codice fiscale" bekommen habe, sowas wie eine Steuernummer, mit der ich hier zB meinen Miet- oder Handyvertrag unterzeichnen kann. Das war zwar eigentlich problemlos, nur haben wir sehr lange gebraucht, um es zu finden. Der Behördengang war also gleichzeitig eine kleine Stadttour. Dann haben wir etwas gebraucht, um ein Busticket zu kaufen, und heraus zu finden, wie man zum Hauptcampus der Uni kommt, wo ich mich anmelden musste. Dort haben wir noch etwas gegessen, und dann stundenlang darauf gewartet, dass ich mich endlich anmelden konnte. Das lief dann aber auch problemlos. Zwischendurch haben wir noch ein paar andere Erasmusstudenten kennen gelernt. Abends hat uns Giacomo dann eine gute Pizzeria empfohlen, wo es Pizza mit Büffelmozarella drauf gab. Überhaupt könnte ich über das Essen hier ein eigenes Kapitel schreiben ;) Dann haben wir uns mit Stefano und seiner Freundin Lara auf dem Piazza dell'Unita getroffen und er hat uns eine Enothek (Weinladen) und eine Kneipe gezeigt, inklusive kleiner Stadtführung. Der Abend war echt lustig.
Am Freitag habe ich dann meinen Mietvertrag unterschrieben und dann sind wir zu IKEA gefahren. Mein Zimmer ist zwar möbliert, aber nur sehr spärlich. Ich habe mir dann noch ein Bücherregal, einen Stuhl, einen Spiegel und diverse Kleinigkeiten gekauft. Auf der Fahrt hat Christian dann Spaß am italienischen Fahrstil gefunden: Dreistigkeit siegt. Wo sonst parken die Leute auf der Abbiegespur (!) und es gibt Halteverbotsschilder entlang der Leitplanke an der Autobahn? Zuhause angekommen, habe ich mein Zimmer erstmal schön gemacht. Am Abend haben wir wieder ein bisschen in der Küche zusammen gesessen.
Heute haben wir zum ersten Mal ausgeschlafen und sind bei fürchterlichen Regenwetter erstmal zuhause geblieben. Das Wetter war bisher übrigens sehr gemischt, von sehr heiß bis hin zu Regen und Wind. Dann haben wir noch einen Bummel durch die Stadt gemacht. Hier gibt es tolle Feinkostgeschäfte und auch Klamottengeschäfte! Ich glaube, ich komme arm nach Deutschland zurück. Heute Abend soll es hier einen Spieleabend geben. Mal schauen, wer dann hier noch alles in der WG auftaucht.
Das Fazit der ersten Tage: Am Anfang waren wir ziemlich erschlagen von der Hektik und Lautstärke hier :) Aber Triest ist wirklich wunderschön. Nachdem ich andere Erasmustudenten getroffen habe, habe ich auch verstanden, dass ich irgendwie unheimliches Glück mit diesem Zimmer gehabt habe, denn es ist echt schön und meine Mitbewohner sind supernett, zeigen mir alles und helfen mir bei allem. Mit der Sprache klappt es schon super und ich werde bestimmt keine Schwierigkeiten mit dem Italienisch-sprechen haben. Ich bin gespannt was die Zeit hier noch so mit sich bringt.
Hier ein paar Fotos:
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| Der Hafen bei mir um die Ecke :) |
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| Ich habe in meinem Leben noch nie so viele Motorroller gesehen. |
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| Piazza dell'Unita |
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Der Blick aus meinem Fenster.
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